MUSIKGESELLSCHAFT ALLMENDINGEN/THUN
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Chronik
Gründung

Jedes Vereinswesen ist ein Gebilde, dem die Mitglieder selbst Leben und Inhalt geben müssen. Das Ganze gleicht einem Mosaik, dessen Bild um so schöner und farbiger wirkt, je regelmässiger sich die kleinen Teilstücke einordnen. Auch bei der Gründung der Musikgesellschaft Allmendingen im Jahr 1881 manifestierte sich die Bedeutung der Einzelleistung.

Als der aus den Bedürfnissen der Zeit geborene Gedanke aufgegriffen wurde, waren nur wenige am Werk, die diesen Schritt für Schritt in die Tat umsetzten. Den Anstoss gab vermutlich die in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bestehende Streich-Tanzmusik der Brüder Jakob und Samuel Meyer, die damals über die Kantonsgrenzen hinaus berühmt war und entsprechend häufig bei festlichen Anlässen engagiert wurde. Die beiden Musiker, die als Trompeter noch das damals übliche Instrument mit zwei Ventilen benützten, sind denn auch unter den Pionieren zu finden. Diese setzten sich wie folgt zusammen: Feller Johann, Feller Adolf, Feller Robert, Feller Christian, Feller Samuel, Feller Gottlieb, Meyer Samuel, Meyer Jakob, Läderach Johann und etwas später Stauffer Gottlieb, Straubhaar Johann, Stauffer Rudolf, Schöni Fritz und Heimberg Gottfried.

 

Bei der Gründung spielten vermutlich die Gebrüder Meyer mit ihren Erfolgen eine entscheidende Rolle. Diese waren nicht nur in der Lage, die Schönheit der Musik vor Augen zu führen, sondern die Kameraden auch praktisch mit dieser Kunst vertraut zu machen. Dazu ist vielleicht in Betracht zu ziehen, dass damals in ländlichen Gegenden noch kein Ueberangebot an musikalischen Darbietungen bestand. Ferner mag bei der Gründung des Vereins, nebst dem Drang zur musikalischen Betätigung, der Wunsch ausschlaggebend gewesen sein, sich nach getaner Arbeit noch einige Stunden der kameradschaftlichen Geselligkeit hinzugeben. Mit der Pflege der Musik wollten sie etwa Poesie in den damals vielleicht noch etwas eintönigen Alltag bringen.

 

Aus dem Kreis der erwähnten Gründer, dem offenbar Läderach Johann als Hauptinitiant vorstand, wurde im September 1881 der erste Vorstand gebildet. Anlässlich der Hauptversammlung vom 13. November 1881 bestätigten die Anwesenden dessen Wahl. Die Mitglieder der gegründeten Gesellschaft wurden in der Folge nicht nur musikalisch in Anspruch genommen, sondern auch finanziell erheblich belastet. Sie hatten die Instrumente mit eigenen Mitteln zu beschaffen, Eintrittsgeld, Monatsbeiträge und allfällige Bussen zu berappen sowie für das Honorar der musikalischen Leitung aufzukommen, das allerdings noch recht bescheiden war. Dem Dirigenten wurden am Anfang pro Übung 1 Franken und dem Stellvertreter 50 Rappen vergütet.

 

Da über die beteiligten Personen kein näheren Angaben vorhaden sind, fällt es schwer, die Anfänge der Vereinsgeschichte wirklichkeitsgetreu nachzuzeichnen. Die zur Verfügung stehenen Notizen zwingen vielmehr dazu, sie in Form skizzenhafter Hinweise anzudeuten. Es muss in Detailbereichen jedem einzelnen überlassen werden, die knappen Tatsachen aneinander zu reihen und durch Vorstellung von Personen und Stimmungen den Bildern pulsierendes Leben zu geben. Doch darf als eindrückliche Tatsache festgestellt werden, dass die Nachkommenschaft des Mitgründers Adolf Feller bis in die Gegenwart in der Musikgesellschaft mitwirkt.

Um den Stürmen der Zeit trotzen zu können, bedarf ein Verein normalerweise der Eckpfeiler langjähriger Mitglieder. Die geschaffene Gesellschaft entbehrte am Anfang dieser tragenden Stützen. Vorstand und Dirigent verstanden aber offenbar die Anfangsschwierigkeiten zu meistern. Auf jeden Fall war es der Gesellschaft möglich, schon bald mit beachtlichen Erfolgen in das Kulturleben der Region einzugreifen.

 

Auszug aus der Jubiläumsschrift zum hundertjährigen Bestehen von Heinirich Fehr